Unrecht (Subst.)


Unrecht (Subst.)
1. Altes Unrecht ist leichter zu tadeln als gut zu machen.
2. Aet es bässer Onrääch lecke als Onrääch dôn. (Düren.) – Firmenich, I, 484, 114.
3. Auch die vnrecht thun, hassen das Vnrecht. Lehmann, II, 30, 39; Simrock, 10733; Körte, 6192.
4. Auf Unrechts Koste ist guat leabe (oder: Staat mache). (Ulm.)
5. Aus Unrecht kann nicht Recht werden.
6. Besser ist's, klein Unrecht leiden, als leben in langen Streiten.Graf, 423, 164.
Isl.: Betra er adh lidha litinn órètt, enn lifa i miklum lagathraetum. (Jonssyni, 46.)
7. Besser Unrecht gelitten, als vor Gericht gestritten.Goldschmidt, 81; Simrock, 10732.
8. Das Unrecht fängt da an, wo man einem weh gethan.
9. Das Unrecht scheuen, die es bereuen.
10. Das Unrecht soll man mit Recht bekämpfen.
Schwed.: Olag måste med lag rättas. – Orätt skrifwit plänar man ut. (Grubb, 652.)
11. Dem Kleinsten auch kein Unrecht thu', dann lebst du stets in Rast und Ruh'.
12. Der dass vnrecht mit ernsten reden straffen soll, vnnd er ein brey im maul hat, dessen schatten nutzt so viel als er.Lehmann, 711, 14.
13. Die selbst nichts als Unrecht thun, die schelten und verdammen das Unrecht.
14. Einem andern zu Unrecht zu helfen, ist niemand schuldig.Graf, 418, 145.
Vor Gericht soll das Recht geschützt und vertheidigt werden, aber das Recht soll nicht gemisbraucht werden, um Unrecht zu Recht zu machen. (S. ⇨ Fürsprech 3.) »Nieman dem andern gepunten ist, daz er im daz vnrechten helfen sulle.« (Ruprecht, I, 80.)
15. Einmal Unrecht, allzeit Unrecht.Graf, 13, 186.
Holl.: Eens onregt altid onregt. (Harrebomée, II, 138.)
16. Einmal Vnrecht ward nimmermehr recht. Petri, II, 213.
17. Erlittenes Unrecht vergessen, ist die beste Rache.
Engl.: To forget a wrong is the best revenge. (Bohn II, 95.)
It.: Delle ingiurie il remedio è lo scordarsi. (Bohn II, 95.)
Lat.: Infirmi est animi exiguique voluptas ultio. (Juvenal.)
18. Erlittenes Unrecht vergessen, ist nicht leicht.
Dän.: At glemme uret, styre sin tunge, og tvinge daarlige begierligheder, er vanskeligt. (Prov. dan., 242.)
19. Es bleibt kein Unrecht ungestraft.
Lat.: Ah miser, et si quis primo perjuria celat, sera tamen tacitis poena venit pedibus. (Philippi, I, 15.)
20. Es hat noch keiner vnrecht thon, er hat ein vrsach ghon.Franck, II, 184a; Gruter, I, 31; Egenolff, 32b; Latendorf II, 17; Chaos, 439; Eiselein, 612; Mayer, I, 10; Simrock, 10730; Körte, 7189; Lohrengel, I, 379; Schmitz, I, 230, 239.
21. Es ist besser vnrecht leiden, denn vnrecht thun.Lehmann, 837, 1; Kirchhofer, 174; Simrock, 10744; Dove, 33, 229 u. 617.
Aber nicht viel, denn in dem Augenblick, wenn niemand mehr Unrecht dulden wird, wird das Unrecht thun aufhören müssen, weil es keinen Boden findet.
Frz.: Mieux vaut souffrir que nuire. (Masson, 349.)
It.: È meglio sostenere ingiuria, che farla.
Kroat.: Bolje je nepravo térpiti nejo nepraro Činiti.
Lat.: Accipere quam facere praestat injuriam. (Masson, 349.)
22. Es ist kein Unrecht so gross, es lässt sich entschuldigen.
It.: Non vi è errore, che non habbia la sua scusa. (Pazzaglia, 342, 4.)
23. Es wäre gross Unrecht, wenn ein Dieb den andern verurtheilt. (S. ⇨ Missethat 8.) – Graf, 408, 38.
24. Grosses Unrecht muss man mit Macht kehren in das Recht.Graf, 338, 328.
Altfries.: Groet onriuecht moet ma mey macht kera. (Hettema, LIX, 8, 176.)
25. Hangdert Jôr Anrêcht äs net en Minut Rêcht. (Siebenbürg.-sächs.) – Schuster, 640.
26. Hundert Jahre Unrecht gethan, wird nimmer Recht gethan.Hillebrand, 910; Graf, 14, 187; Braun, I, 4688.
27. Hundert Jahre Unrecht wird keine Stunde Recht, schrie der Bauer an der Klosterpforte.Klosterspiegel, 41, 1.
28. Hundert Jâr Unrecht is gên Dag Recht.Bueren, 514.
29. Hundert (tausend) jar vnrecht ist kein stund recht.Franck, I, 72a; Gruter, III, 51; Zinkgref, IV, 20; Eisenhart, 8; Estor, I, 20; Hertius, I, 3; Hillebrand, 9; Eiselein, 612; Haslacher, 1; Ramann, Unterr., III, 32; Kirchhofer, 171; Berl. Monatsschrift, XVI, 268; ostfriesisch bei Frommann, VI, 283, 699.
Durch dieses Sprichwort wird angezeigt, dass eine unvernünftige und unbillige oder schädliche Gewohnheit allemal abgeschafft werden müsse, wenn sie auch noch so alt ist, und dass keine Verjährung bei derselben stattfinde. Was einmal von Anfang an als Unrecht und Unbill gefunden worden, könne durch die Länge der Zeit nicht als billig und recht angesehen wer-
den.
Holl.: Wat tegen regt is aangegaan, dat mag t geener tijd best. (Harrebomée, II, 214b.)
Lat.: Longi temporis possessio non dominium, sed praescriptionis exceptionem inducit. (Seybold, 282.) – Multitudo errantium non parit errori patrocinium. (Egeria, 141; Philippi, I, 263; Sutor, 172; Seybold, 319.)
30. In daz vnrecht folget der erbe nicht.Klingen, 120b, 1; Graf, 184, 9.
Die Glosse zum sächsischen Weichbildrecht (Art. 26) sagt: »Ein Erbe ist anders nicht, denn ein Nachfolger in all das Recht, das der Todte hatte zu seinem Gut. Ist es also eine Folge in das Recht, und hatte der Erbe etwas Unrechtes gehabt, so folgt das Unrecht dem Erben nicht.«
31. Kein Unrecht bleibt ungestraft.
32. Leide vnrecht vnd gewalt vnd dank Gott dafür alssbald.
»Wie jener gute Hoffmann thut.« (Mathesy, I, 45a.)
33. Lewer Unrecht lien (leiden) as don. (Rendsburg.)
»Es ist«, sagt Seume, »freilich auch philosophisch besser, Unrecht leiden, als Unrecht thun;
aber es gibt ein Drittes, das vernünftiger und edler ist als beides, mit Muth und Kraft verhindern, dass überhaupt Unrecht geschehe.«
Lat.: Nefas nocere, vel malo, fratri puta. – Patiare potius ipse, quam facias, scelus. (Philippi, II, 13 u. 84.)
34. Lieber klein Unrecht gelitten, als vor Gericht darüber gestritten.Ramann, Unterr., V, 14; Simrock, 10732; Körte, 6196; Graf, 423, 165.
35. Lieber Unrecht leiden als Unrecht thun.
Dän.: Heller uret at lide, enduret at gjøre. (Prov. dan., 566.) – Uret er bedre tilgiœt end beonet. (Prov. dan., 288.)
Holl.: Het is beter, onregt te liden, dan onregt te doen. (Harrebomée, II, 138b.)
Lat.: Accipere quam facere praestat injuriam. (Cicero.) (Binder I, 7; II, 41; Seybold, 4; Philippi, I, 44.)
36. Man hat oft mehr Unrecht als Ehrrecht.
Lat.: Sibi malum parat, qui aliis praeparat. (Chaos, 436.)
37. Man kann selten ohne Unrecht zum Recht gelangen.
38. Mit Unrecht sein Gut vermachen, heisst unendlichen Krieg machen.Meisner, 124.
39. Mit Vnrecht gewunnen, mit recht vnd schand entrunnen.Henisch, 1609; Petri, II, 481.
40. Niemand will gern Unrecht haben, aber viele wollen Unrecht thun.
Lat.: Qui velit ingenii cedere rarus erit. (Martius.)
41. Ohn viel Vnrecht kan man selten zum Recht kommen.Petri, II, 504.
42. Onrääch schlêt sî êge Hähr. (Düren.) – Firmenich, I, 484, 123.
43. Onrecht hömmelt net. (Aachen.) – Firmenich, I, 403, 112; hochdeutsch bei Simrock, 10734.
Führt nicht zum Himmel.
44. Sein Unrecht erkennen, ist halbe Besserung.
Poln.: Uznanie błedu jest pot poprawy. (Lompa, 32.)
45. Tausend Jahr vnrecht ist heut auch vnrecht.Petri, II, 544.
46. Unrächt find't si Chnächt. (Bern.) – Zyro, 114.
47. Unrecht, das wird niemer guot.Boner.
48. Unrecht dem Freunde gestatten, heisst: es selber thun.
49. Unrecht hett sinen Vôrtgang. (Altona.) – Schütze, IV, 313.
So viel als Weggang, nicht Fortdauer; d.h. dem Recht muss endlich sein Recht werden, das Unrecht nimmt ein Ende.
50. Unrecht is mir lieber as Stuss (Schtuss, Thorheit).Tendlau, 822.
51. Unrecht ist auch Recht.Eisenhart, 574; Pistor., I, 73; Eiselein, 612; Hillebrand, 5, 6; Simrock, 10736; Körte, 6195; Graf, 477, 631.
Es besteht manches als bürgerliches Recht, was die Vernunft nicht als solches anerkennen kann. Es muss ferner auch ein rechtskräftiges Urtheil aufrecht erhalten werden, wenn es sich auch später als ein irriges erweist, weil sonst eine allgemeine Rechtsunsicherheit entstehen würde. (Vgl. darüber auch Savigny, System des römischen Rechts, VI, 259.) Will sagen, dass auch manchmal ein Urtheil einen Process aufhebt, wenn dasselbe schon auf unrichtigen Gründen beruht, oder der Richter in der Anwendung der Gesetze auf den streitigen Fall ein Versehen be-
gangen hat. Es ist dies der Fall, wenn kein Rechtsmittel dagegen eingewendet worden ist oder werden konnte, sondern der Verurtheilte es bei dem richterlichen Ausspruche bewenden lassen muss. Es steht darunter V.R.W.
Lat.: Injustum etiam jus est. (Pistor., I, 73.)
52. Unrecht ist unerträglich, darum zerstört es sich selbst.Graf, 287, 31.
Mhd.: Unrecht dat is vndreglich hir vmme vorstort id sick sulven. (Herforder Stadtrecht, 9.)
53. Unrecht ist Unrecht, für den, der's leidet, wie für den, der's thut.
It.: L' ingiuria non è meno di chi la riceve chè di chi la fà. (Pazzaglia, 179, 4.)
54. Unrecht ist zu keiner Zeit erlaubt.
Angelsächs.: Nis on aênigne timan unricht âlyfed. (Schmid, 292, 38.)
55. Unrecht lässt sich mit Worten nicht Recht sprechen.
Lat.: Verbis non solvitur, quod re male factum. (Seybold, 624.)
56. Unrecht lässt sich nicht verbergen.
Lat.: Heu quam difficile est, crimen non prodere vultu. (Ovid.) (Philippi, I, 176.)
57. Unrecht macht aus dem Schlichter bald einen Richter.
58. Unrecht macht zum Knecht.
59. Unrecht mag man leiden, aber nicht lieben und loben.
Schwed.: Orätt må man lida, men ej gilla. (Wensell, 63; Grubb, 652.)
60. Unrecht muss umkehren.Graf, 14, 189.
Altfries.: Ende moet dat onrieucht weer kera. (Hettema, I, 71, 14.)
61. Unrecht, säd' Klâs, un töm dat Pêrd bî'n Swanss up. (Holst.) – Hagen, 100, 41; Hoefer, 607; Schütze, IV, 313; Diermissen, 314; Schlingmann, 837.
62. Unrecht schlägt seinen eigenen Herrn.Eisenhart, 574; Eiselein, 612; Graf, 286, 29.
In Bedburg: Unräet schlêt sengen egen Häer.
63. Unrecht schwächt die Freundschaft.
Schwed.: Orätt minskar wänskap. (Grubb, 653.)
64. Unrecht und Klage wachsen alle Tage.
Holl.: Onregt en klage wassen alle dage. (Harrebomée, II, 138.)
65. Unrecht ward min Dage kin Recht.Goldschmidt, 80; hochdeutsch bei Graf, 3, 39.
66. Vnrecht gewonnen, kompt nit an d sonnen. Egenolff, 310b.
67. Vnrecht ist des Rechts Mutter.Petri, II, 560.
68. Vnrecht ist doch Vnrecht, man schmücks wie man wil.Petri, II, 560.
69. Vnrecht ist Recht, vntugent ist tugent, schand ist ehr worden in der welt.Henisch, 817.
70. Vnrecht kompt von Gewalt.Lehmann, 837, 10.
71. Vnrecht leiden vnd noch dafür dancken, ist ein gut Weg, lang zu Hoff zu bleiben. Petri, II, 560.
72. Vnrecht mit vnrecht straffen (vergelten) ist nit verantwortlich.Lehmann, 837, 2.
73. Vnrecht seinn herrn schlegt.Franck, II, 15a; Lehmann, II, 791, 104.
Mhd.: Swer sîme dinge unrehte tuot, dem wirt das ende selten guot. (Freidank.) – Swer ime selben schaden birt und sîne rehte unreht tuot, des ende wirt ouch lützel guot. (Laurin.) (Zingerle, 157.)
74. Vnrecht soll man leiden, aber nicht billichen.Lehmann, 242, 35.
75. Vnrecht vnnd Klage mehret sich alle Tage. Lehmann, II, 792, 104; Petri, II, 560; Körte, 6185; Simrock, 10728; Braun, I, 4686.
Holl.: Onrecht ende claghe meerdert alle daghe. (Tunn., 20, 18.)
Lat.: Semper querele (querelae) crescunt iniusticieque. (Fallersleben, 572.)
76. Vnrecht vnnd vnbilligkeit ist ein Mutter dess vngehorsambs.Lehmann, 837, 6.
77. Vnrecht will immer recht seyn.Lehmann, 830, 36.
78. Vnrecht wird damit nicht recht, dass es viel thun.Petri, II, 561.
79. Vnrecht wird mit widerrecht bezahlt.Lehmann, 838, 13.
80. Vnrecht zugesagt, sol niemand halten.Petri, II, 561.
81. Was einmal Unrecht gewesen ist, bleibt Unrecht zu aller Frist.Hillebrand, 10; Simrock, 10531; Graf, 3, 38; Braun, I, 4687.
82. Was heute Unrecht ist, das ist morgen nicht Recht.Graf, 95, 195.
Holl.: Wat van daeg onregt is, is morgen geen regt. (Harrebomée, II, 138b; Sprenger, I, 17.)
83. Was hundert (tausend) iar vnrecht ist gewesen, das ward nie kein stunde recht.Agricola I, 63; Franck, II, 13b; Luther, 73; Graf, 95, 194.
Murner schreibt: »Ein Dreck soll fressen der Jurist, der dieses Spruch ein Lehrer ist, das langer brauch soll sein ein Recht, der allzeit ist gewest vnrecht, was Hundert Jahr war vnrecht, ist nie keine Stund gewesen Recht.« (Lehmann, 319, 75.)
Lat.: Vigilantibus jura subveniunt. (Latendorf, Jahrbuch, 269.)
84. Was man mit Unrecht gibt, fordert man mit Recht zurück.Graf, 252, 146.
Wenn man aus Irrthum zu viel gezahlt oder zu viel Waare u.s.w. gegeben hat, so kann man das Zuviel zurück verlangen.
Mhd.: Gift man jemanne icht mit unrechte, dat vordere man mit recht weder. (Homeyer, Sachsenspiegel, I, 52, 4.)
85. Was man mit Vnrecht bekompt, das führet der Teuffel weg.Petri, II, 603.
Dän.: Det man med synd fonger, det med sorg gonger. (Prov. dan., 173.)
86. Was man zu Unrecht erlangt, geht zu Recht verloren.
Dän.: Hvad een med ulov faaer, med lov tilbage gaar. – Ulovig fang er ufang. (Prov. dan., 156.)
87. Wem man Unrecht gethan hat, dem kann man wol den Schaden ersetzen, aber nicht die Thränen.
Poln.: Ukrzywdzonemu szkoda może się nagrodzić, ale łzy nigdy. (Čelakovsky, 355.)
88. Wen man Unrechts zeiht, der soll sich mit Recht wehren.Graf, 443, 376.
Mhd.: Wen man unrechtes zihet, der sal sich ez mit rechte weren. (Endemann, II, 80.)
89. Wenn das Unrecht gethan ist, dann gehen die Augen auf.
Böhm.: Ukřivditi snadno; ale co svĕdomí řekne? (Čelakovsky, 372.)
It.: All' hor ch' è fatto il mal si riconosce. – Doppo il mal fare sospirí, e dolori. (Pazzaglia, 123, 4 u. 7.)
90. Wenn Unrecht dir gethan, so denke nimmer dran.Körte, 6107; Venedey, 137.
91. Wer altes Unrecht duldet (erträgt), ladet neues zu Haus.Petri, II, 680; Simrock, 10743; Körte, 6193.
92. Wer andern Unrecht thut, thut auch sich Unrecht.
93. Wer das Unrecht schützt, dem naht Verderben.
It.: Rimarra morto, chi s'appiglia al torto.
94. Wer das Vnrecht berewet, der schewets. Lehmann, 690, 4; Masson, 291.
95. Wer das Vnrecht hat verlan, der hat ein gute Tagreis gethan.Eyering, III, 455.
96. Wer das vnrecht vermeint recht zu machen, der maast sich mehr an, als er kan.Lehmann, 837, 9.
97. Wer dass vnrecht vnd vbel straffen solt, vnnd denn kein maul hat, der ist in gleicher Zunfft mit dem missthäter.Lehmann, 711, 12.
98. Wer dem Unrecht steuern will, bedarf keinen Amtsbrief.
99. Wer dem vnrecht nicht widerspricht, der hilfft dazu.Lehmann, 711, 13.
100. Wer einem Vnrecht thut, der drewet vielen.Petri, II, 700.
101. Wer einen zu Unrecht meldet, der soll in seine Fussstapfen treten. (S. ⇨ Unschuld 18.) – Graf, 375, 500.
Der falsche Ankläger und falsche Zeuge sollte die Strafe erdulden, die den Angeschuldigten betroffen hatte oder betroffen hätte. »Welcher einen zu Unräch leitete, der sol Einem sein fuossstapffen verträtten umb Ehr und guoth.« (Blumer, III, 24.)
102. Wer immer Unrecht vor sich selber hat, der hat es nie vor andern.Cibot, 162.
103. Wer in Unrecht fällt, bezahlt die Kost. Graf, 427, 242.
Holl.: Wie in onrecht valt, die ghelde die cost. (Holl. Sachsenspiegel, 38, 28.)
104. Wer jedes Unrecht will rächen, dem wird bald die Kraft gebrechen.
Holl.: Die al zijn leed mit leed wil wreken Simsons kracht (of: Salomos magt) zal hem ontbreken. (Harrebomée, II, 12.)
105. Wer sich vom Unrecht hält, den trifft kein Unglück.
106. Wer Unrecht gethan hat, dem fehlt's nicht an Entschuldigungen.
It.: Al malfattore non mancano mai scuse. (Pazzaglia, 342, 1.)
107. Wer Unrecht gethan hat, schreibt's in Staub; wem Unrecht geschehen, der gräbt's in Stein.
It.: Chi riceve ingiuria scrive in bronzo, e chi la fa, in polvere. (Pazzaglia, 179, 1.)
108. Wer Unrecht gethan, muss leugnen.
Lat.: Si fecisti, nega. (Schamelius, 62, 7.)
109. Wer Unrecht gewinnt, zahlt die Kosten. Graf, 427, 240.
Mhd.: Swer unrecht gewinnet, der sal di coste gelden. (Gaupp, Stadtrecht, I, 116.)
110. Wer Unrecht hat gethan, dem sieht man's an den Augen an.
Lat.: Difficile est, crimen non prodere vulta. (Ovid.) (Binder II, 773.)
111. Wer Unrecht säet (pflanzt), hat eine schlimme Ernte (oder: kann kein Recht, keinen Segen) ernten.
Holl.: Onregt zal niet gedijen. (Harrebomée, 138b.)
112. Wer Unrecht säet, wird übel (Mühe) ernten.2 Kor. 9; Petri, II, 774; Schulze, 269; Zehner, 556.
It.: A chi mal fà, mal và. (Gaal, 1486.)
Lat.: Quisquis iniqua facit, patiatur iniqua necesse est. (Gaal, 1486.)
113. Wer Unrecht sieht, der soll es wenden. Graf, 374, 198.
Mhd.: Wer unrecht sihet tun der sal es wenden. (Kl. Kaiserrecht, II, 48, 80.)
114. Wer Unrecht sucht, braucht kein starkes Licht.
Die Russen: Man braucht keine Laterne anzustecken, um nach Ungerechtigkeit zu suchen. (Altmann V, 105.)
115. Wer Unrecht thut, dem widerfährt Unrecht.
Lat.: Abs ope legis erit qui legis anormala querit. (Reuterdahl, 77.)
Schwed.: Hwar som olagh faesther honum olaghe gaar. (Reuterdahl, 77.)
116. Wer Unrecht thut, will doch Unrecht nicht leiden.
Lat.: Etiam qui faciunt oderunt injuriam.
(Philippi, I, 140.)
117. Wer Unrecht vertheidigt, verliert allermeist. (S. ⇨ Fürsprech 3.) – Graf, 418, 150.
Mhd.: We unrecht vordegedingt de verliset allerdickst. (Richtsteig, 4.)
118. Wer vnrecht nicht ohne grösser vnrecht straffen kann, der soll sein recht vngeandt lan.Lehmann, 727, 12.
119. Wer vnrecht säet, der erndt mühe.Henisch, 926.
120. Wer vnrecht thut, der wird von der Gerechtigkeit gestrafft.Lehmann, 839, 19.
It.: Chi fa quel che non dee, gli intervien quel che non crede.
121. Wer Vnrecht thut, vergist es bald, wer Vnrecht leydet, das lang behalt.Lehmann, II, 852, 355; Henisch, 249; Petri, II, 774; Körte, 6186; Braun, I, 4689.
Lat.: Pulnere, qui laedit seg laeaus, marmore scribit. (Loci comm., 94.)
122. Wer zum erstenmal Vnrecht gethan, dem soll mans lassen hingahn.Eyering, III, 252.
123. Wider erlittenes Unrecht ist Vergessenheit das beste Kraut.
Schwed.: Orätt stillas med glömska. (Grubb, 653.)
124. Wider vnrecht ist kein Artzney, als vergesslichkeit (vergessen), die heilet alle injurien.Lehmann, 779, 3.
125. Wo Unrecht Trumpf ist, da nützen alle Rechtskarten nichts.
Lat.: Cum vitia prosunt, peccat, qui recte facit. (Philippi, I, 105.)
126. Wo vnrecht nicht gestrafft wird, do thut der vnrecht, der sich vor vnrecht förcht.Lehmann, 740, 27.
*127. Das Unrecht in sich sauffen wie Wasser. Fabricius, 26.
*128. Zu dieser Zeit kan man selten ohne vnrecht zum rechten kommen.Lehmann, 631, 58.
[Zusätze und Ergänzungen]
129. Ob mit Unrecht, ob mit Rechtsgewalten, lass niemals dich gefangen halten.
It.: Nè a torto nè a ragione, non ti laseiar cacciar prigione. (Giani, 1414.)
130. Unrecht bleibt Unrecht, auch wenn es dem Feinde gethan.
Lat.: Ipsis neque hostibus feceris injuriam.
131. Unrecht erträgt kein rechter Mann.
Lat.: Injusta ab justis impetrare non decet. (Plaut.) (Philippi, I, 199.)
132. Was mit Vnrecht geschworen, wird mit grösserm Vnrecht gehalten.Dietrich, II, 89.
Lat.: Quod male juratur, pejus servatur.
133. Wer dem Unrecht zu wehren vermag, bedarf keinen Amtsbrief.
134. Wer mit Unrecht zum Besitz gelangt, kommt mit Recht davon.
It.: Da ingiusto guadagno vien giusto danno. (Giani, 807.)
135. Wer Unrecht thut, gleicht einem wilden Thier; wer's dulden kann, ist eine Zier.
Lat.: Injuriam inferre est ferocis, ferre est viri.
(Sailer, Sprüche, 89.)
136. Wo Unrecht einkehrt, zieht Liebe aus.
Lat.: Injuria solvit amorem. (Philippi, I, 199.)

Deutsches Sprichwörter-Lexikon . 2015.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Gut (Subst.) — 1. Alles gut ist eines andern. – Petri, II, 7. 2. Altes Gut hinter rost gem Schloss macht neuen Adel mit blankem Tross. (Böhm.) 3. An eines Gutes Ansprach ist kein Verlust. – Klingen, 48 a, 1; Graf, 441, 332. Wer einen Rechtsanspruch an eine… …   Deutsches Sprichwörter-Lexikon

  • Recht (Subst.) — 1. Alles, was das Recht erlaubt, thut man mit Recht. – Graf, 285, 6. Mhd..: Allez daz das reht irloubt, daz tut man wol mit rehte. (Daniels, 334, 43.) 2. Alt Recht und frischer Braten ist wohl zu rathen. Böhm.: Stará práva, čerstvá potrava –… …   Deutsches Sprichwörter-Lexikon

  • Freund (Subst.) — 1. Allermanns (Allerwelts) Freund, niemands Freund (jedermanns Geck). – Simrock, 2750; Winckler, X, 16; Eiselein, 185; Kirchhofer, 354; Reinsberg III, 143. Dem Allerweltsfreunde empfiehlt W. Müller: »Willst du der Leute Liebling sein, sei… …   Deutsches Sprichwörter-Lexikon

  • Rücken (Subst.) — 1. Achter Rügge lehrt man einen besser kennen. – Körte, 5110. 2. Auch ein guter Rücken krümmt sich. 3. Auf dem Rücken kann man einen Centner tragen, auf der Nase nicht ein Pfund. Nach Filanghieri verhält es sich mit den Steuern wie mit den… …   Deutsches Sprichwörter-Lexikon

  • Laden (Subst.) — 1. Das kostet mich im Laden mehr, sagte der Mönch, als ihm die Frau einen Blapart (Blaffert) für die Messe gab. – Eiselein, 407; Simrock, 6135. 2. Goh na d n Loden un frog, wat de Uhr is, un lat die n Stück Kreid to gewen. (Ukermark.) Geh nach… …   Deutsches Sprichwörter-Lexikon

  • Leiden (Subst.) — 1. An überstandene Leiden erinnert man sich gern. – Eiselein, 419. Lat.: Meminisse laborum suave qui servatus est. (Eiselein, 419.) 2. An überwundene Leiden denkt man mit Siegesfreuden. It.: Quel che fù duro a patire, è dolce a ricordare.… …   Deutsches Sprichwörter-Lexikon

  • Vermögen (Subst.) — 1. Das Vermögen ist nicht dessen, der s erworben, sondern dessen, der s geniesst. It.: La roba non è di chi le fece, ma di chi la gode. 2. Ein jeder thu nach seinem Vermögen. – Sutor, 36. 3. Elk ên sîn Moeg, säd Hans Fink, un rêd1 up de gäl… …   Deutsches Sprichwörter-Lexikon

  • Weg (Subst.) — 1. A guter Weg krumm, ist nint um. (Deisslingen.) – Birlinger, 203. 2. Ach Gott, den Weg möten wi all, säd de oll Frû, dôr füert de Schinner mit de Koh ût n Stall. – Hoefer, 295; Schlingmann, 461. »Einer Fraw war die Kuh gestorben. Als dieselbe… …   Deutsches Sprichwörter-Lexikon

  • setzen — (sich) niederlassen; einstellen; legen; tun (umgangssprachlich); stellen; lagern (auf, über) * * * set|zen [ zɛts̮n̩], setzte, gesetzt: 1. <+ sich> eine sitzende Stellung einnehmen: du darfst dich nicht auf den Boden setzen …   Universal-Lexikon

  • Unbill — Unglück; Pech; Misere; Widrigkeit; Unerquicklichkeit; Verdruss * * * Ụn|bill 〈f.; ; unz.; geh.〉 Unrecht, Schimpf [zu mhd. unbil „ungemäß“, beeinflusst von Bild] * * * Ụn|bill, die; , (veraltet, noch österr …   Universal-Lexikon